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Patienteninformation zum Thema BrustkrebsNeben Darmkrebs zählt bei Frauen Brustkrebs zu den am häufigsten diagnostizierten Krebsformen in Deutschland. Diese Patienteninformation soll Betroffene und ihre Angehörigen ermutigen, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und ihnen helfen, zusammen mit ihrem behandelnden Arzt, als mündige Patientinnen die für sie optimale Behandlung auszuwählen. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, allerdings ist die Erkrankung sehr selten!
Der Aufbau der weiblichen Brust
Jede Brust ist in 15-20 Abschnitte unterteilt, die sog. Lappen, welche wiederum viele kleine Drüsenläppchen mit Gruppen winziger Drüsen enthalten. Diese Drüsen können Milch produzieren, die dann aus den Läppchen durch die sog. Milchgänge fließen. An jeder Brustwarze enden etwa 15 dieser Milchgänge, aus denen gelegentlich Flüssigkeit auch außerhalb der Stillzeit austreten kann. Umgekehrt können Bakterien über die Brustwarze in die Milchgänge eindringen und eine Brustdrüsenentzündung (Mastitis) hervorrufen. Das Risiko, an einer Brustdrüsenentzündung zu erkranken, ist besonders in der Stillzeit hoch. Neben den Blutgefäßen wird die Brust außerdem von Lymphbahnen durchzogen, in denen eine klare Flüssigkeit, die Lymphe, fließt. Die Lymphgefäße führen zu den Lymphknoten, die sich in der Nähe der Brust, in den Achselhöhlen und über dem Schlüsselbein befinden.
Wie entsteht Brustkrebs?Im Körpergewebe, das aus unzähligen einzelnen Zellen besteht, werden in dem Maße, wie sie vom Körper benötigt werden, fortlaufend neue Zellen gebildet. Alte Zellen sterben ab und werden durch diese neu gebildeten Zellen ersetzt. Durch Veränderungen von Körperzellen kann es zu einer Fehlsteuerung des Wachstums kommen. Diese Zellen eines Organs oder Gewebes teilen sich unkontrolliert, sie vermehren sich ungebremst und sind der Wachstumskontrolle des Körpers entzogen. Zusätzlich sterben alte Zellen nicht ab. Das kann dazu führen, dass die neu gebildeten Zellen eine Gewebemasse bilden, die als Geschwulst oder Tumor bezeichnet werden. Ein Tumor kann sowohl gutartig (benigne) als auch bösartig (maligne) sein. Gutartige Tumore werden meist durch die Neubildung von Binde- und Drüsengewebe (Fibroadenom), seltener durch die Neubildung von Fettgewebe (Lipom) verursacht. Sie sind nur sehr selten lebensbedrohlich, können meist entfernt werden und wachsen nur selten wieder nach. Außerdem streuen Zellen von gutartigen Tumoren in der Regel nicht in benachbarte Gewebe oder andere Körperbereiche aus. Bösartige Tumore werden auch als Krebs bezeichnet. Bei allen Krebsarten haben sich gesunde Zellen verändert. Für diese „Entartung" von Zellen – also die Umwandlung von gesunden Zellen in Krebszellen – sind viele Faktoren verantwortlich. Bösartige Tumore sind in der Regel schwerwiegender als gutartige Tumore und können auch lebensbedrohlich sein. Auch bösartige Tumore können häufig entfernt werden, jedoch besteht die Möglichkeit, dass sie nachwachsen. Zellen von bösartigen Tumoren können in andere Gewebe einwachsen, dieses zerstören und über die Blutbahn oder die Lymphgefäße in andere Körperregionen verschleppt werden und sich dort weitervermehren. So entstehen die so genannten Metastasen (Tochtergeschwülste). Bösartige Tumoren der Brust (Mammakarzinome) entstehen meist in den Milchgängen der Brust, seltener in den Drüsenläppchen. Dementsprechend teilt man Brustkrebs ein in Milchgangkarzinome (duktale Karzinome) und Läppchenkarzinome (lobuläre Karzinome). Am häufigsten ist das äußere, obere Brustviertel von Krebs betroffen, da hier der größte Teil der Brustdrüsen lokalisiert ist. Neben der Lokalisation teilt man die Erkrankung Brustkrebs in verschiedene Stadien ein, dem so genannten TNM-Schema. Dabei bedeutet T die Tumorgröße, N steht für Noduli (Lymphknoten) und M für Metastasen. zum Beispiel: N0: keine Lymphknoten befallen
Wer ist besonders gefährdet, an Brustkrebs zu erkranken?Genaue Ursachen für eine Krebserkrankung gibt es nach heutigen Erkenntnissen nicht. Deshalb ist bei über 90 % der betroffenen Brustkrebspatientinnen die Ursache unbekannt. Den wichtigsten Risikofaktor stellt das Alter dar, da mit zunehmendem Alter Fehler in der Zellteilung wahrscheinlicher werden. Dies gilt besonders für Frauen über 60 Jahren. Ein weiterer Risikofaktor für die Entstehung von Brustkrebs ist die familiäre Vorbelastung, d.h. wenn Verwandte 1. Grades, also Mutter oder Schwester an Brustkrebs erkrankt sind oder waren. Das Risiko für solche Menschen, selbst an Krebs zu erkranken, ist gegenüber anderen auf ca. das Doppelte erhöht. Brustkrebsfälle bei weiter entfernten Verwandten (z. B. Großmutter oder Tante) bedeuten nach derzeitigem Kenntnisstand kein erhöhtes Risiko. Andere mögliche Risikofaktoren, die das Auftreten von Brustkrebserkrankungen begünstigen können, sind u. a.
Da weibliche Sexualhormone (Estrogene und Gestagene) das Tumorwachstum begünstigen können, sind viele Frauen verunsichert, ob die Einnahme von Hormonpräparaten das Brustkrebsrisiko erhöht.
Wie stellt man Brustkrebs fest?Insbesondere im Frühstadium verläuft Brustkrebs im Allgemeinen symptomlos – verursacht also weder Beschwerden noch Schmerzen. Rund 80 % aller Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, haben den Knoten selbst durch Abtasten der eigenen Brust bemerkt. Beim Verdacht auf das Vorliegen eines Brustkrebses wird der Arzt eingehende Untersuchungen vornehmen bzw. zu einem geeigneten Facharzt überweisen. Neben der Erhebung der Krankengeschichte (Sind Verwandte ersten Grades an Brustkrebs oder Eierstockskrebs erkrankt? - In welchem Alter? - Traten zu einem früheren Zeitpunkt bereits Zysten oder andere gutartige Tumore an der Brust auf? usw.) und dem Abtasten beider Brüste und der Achselhöhlen (klinische Untersuchung) wird je nach Alter eine Röntgenuntersuchung (Mammographie) der Brust durchgeführt bzw. bei jüngeren Frauen zuerst eine Ultraschalluntersuchung.
Die Ultraschalluntersuchung gehört bei auffälligen Brustbefunden immer dazu, um bei unklaren Befunden eine Diagnose zu sichern. Ein erfahrener Arzt kann bei einer Ultraschalluntersuchung Knoten in der Brust ab 0,01 cm Größe erkennen. Bei jungen Frauen mit dichter Brust kann sie auch als alleiniges Bild gebendes Verfahren eingesetzt werden. Wird der Brust-Ultraschall zusätzlich zur Mammographie verwendet, verbessert sich die Aufdeckungsrate um ca. 30%. Zeigt sich bei einer Mammographie oder Ultraschalluntersuchung Verdächtiges, so muss eventuell zusätzlich noch eine Biopsie (mit Hilfe einer Nadel wird eine Flüssigkeits- oder Gewebeprobe entnommen) durchgeführt werden. Eine Biopsie ist der einzige Weg eine Krebserkrankung sicher festzustellen. Die mikroskopische Untersuchung des entnommenen Gewebes liefert ggf. wichtige Hinweise auf den Tumortyp und die Aggressivität des Tumors (Grading). Enthält die Probe keine Krebszellen, werden ggf. weitere Proben entnommen und bei fortbestehendem Verdacht auch das verdächtige Gewebe operativ entfernt.
Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?Die Behandlung des Brustkrebses hängt ab von der Tumorgröße, einer eventuellen Metastasierung und dem Alter der Frau. Die wichtigsten Säulen der Behandlung sind
Zusätzlich können Frauen in allen Krankheitsstadien eine Therapie gegen Schmerzen oder andere Symptome erhalten, wie z.B. zur Linderung von Nebenwirkungen oder eventueller emotionaler Probleme.
OperationSteht die Diagnose Brustkrebs fest, ist die erste Wahl einer Therapie die Operation, eventuell mit vorangegangener Chemotherapie zur Verkleinerung des Tumors. Bei Verdacht auf Bildung von Metastasen werden ggf. weitere Untersuchungen durchgeführt, um auszuschließen, dass andere Organe (Lunge, Leber, Knochen u. a.) bereits vom Tumorwachstum betroffen sind. Nach operativer Entfernung der Lymphknoten kann es zur Stauung von Lymphflüssigkeit kommen und damit zur Schwellung, zum schmerzhaften und unangenehmen Lymphödem. Behandelt wird dies durch eine spezielle Massagetechnik, der Lymphdrainage, bei der Lymphe in die Gefäße und ins Blut zurückgedrückt wird. Erleichterung bringt auch das Hochlagern des Armes und das Tragen eines Armstrumpfes. Gegebenenfalls können krankengymnastische Übungen sinnvoll sein, um anfängliche Beweglichkeitseinschränkungen des Schultergelenkes zu überwinden. Um Lymphstau vorzubeugen, sollten extreme Kälte und extreme Wärme (Sonne, Sauna) vermieden werden, beim Sonnen sollte der Arm zumindest anfangs abgedeckt werden.
StrahlentherapieBei einer Strahlentherapie wird energiereiche Strahlung dazu eingesetzt, Krebszellen abzutöten. In der Regel wird nach brusterhaltenden Operationen auf Grund des höheren Rückfallrisikos immer eine Strahlenbehandlung durchgeführt, bei totalen Brustoperationen nur dann, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Bei manchen Frauen wird auch schon vor einer Operation eine Strahlentherapie durchgeführt, um den Tumor zum schrumpfen zu bringen und Krebszellen zu zerstören. Man unterscheidet zwei Arten der Strahlentherapie:
Medikamentöse TherapieEine medikamentöse Therapie wird unter bestimmten Umständen zusätzlich zur Operation und Strahlentherapie durchgeführt. Ob eine Chemotherapie, Hormonoder Immunotherapie durchgeführt wird, hängt in erster Linie davon ab, ob sich Tochtergeschwülste, also Metastasen in den Lymphknoten gebildet haben (Lymphknotenstatus) sowie von weiteren Risikofaktoren wie u. a. Tumorgröße, Tumortyp, Aggressivität des Tumor. Unter Abschätzung des individuellen Risikos der Frau stehen dem Arzt verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:
Mittel der ersten Wahl in der Hormontherapie sind bislang sog. Antiestrogene (z. B. Tamoxifen). Der Wirkstoff bindet an die Angriffstellen für Estrogen am Tumorgewebe und verhindert damit das Andocken von Estrogen. Ein weiterer Wirkstofftyp sind die sog. Aromatasehemmer. Diese verhindern, dass der Körper ein bestimmtes Estrogen (Estradiol) produziert. Eine weitere Therapiemöglichkeit bietet die Gruppe der Gonadotropin-Hormon-Analoga, sog. zentrale Freisetzungshormone. Sie versetzen die Patientinnen vorübergehend in einen Zustand ohne weibliche Hormone, wie bei Frauen nach den Wechseljahren. Beim metastasierenden Mammakarzinom (d. h. Bildung von Tochtergeschwüren z.B. in der Leber, im Gehirn oder in den Knochen) werden meist Chemotherapie, Hormontherapie und Strahlentherapie kombiniert eingesetzt.
ImmunotherapieUm den Krebs zu bekämpfen wird bei der Immunotherapie das körpereigene Immunsystem genutzt. Die hier verabreichten Wirkstoffe sind sog. monoklonale Antikörper, wie z. B. Trastuzumab. Es kann das Wachstum bestimmter Krebszellen (solche, die zu große Mengen eines bestimmten Proteins [HER2] enthalten oder produzieren) verlangsamen oder stoppen, vor allem auch das von Metastasen. Trastuzumab wird über die Vene injiziert und kann alleine oder in Kombination mit einer Chemotherapie verabreicht werden.
Welche Früherkennungsmaßnahmen kann man treffen?Aufgrund der deutlich günstigeren Heilungschancen bei frühzeitigem Erkennen des Brustkrebses kommt der Früherkennung eine wichtige Bedeutung zu. Eine ärztliche Untersuchung ist immer ratsam,wenn
Wahrscheinlich ist die Ursache der genannten Symptome harmlos. Da rechtzeitiges Erkennen des Brustkrebses die Erfolgschancen der Behandlung deutlich verbessert, sollten Sie dennoch einen Arzt aufsuchen, wenn Sie diese Anzeichen bei sich bemerken, um ernsthafte Ursachen sicher auszuschließen. Ab dem 30. Lebensjahr wird eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung durch den Frauenarzt (Abtasten der Brust und der Achselhöhlen, Abstrichuntersuchung des Gebärmutterhalses ab dem 20. Lebensjahr) empfohlen und von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Was können Sie selbst tun – Vorsorge und NachsorgeBrustkrebs kann sich schon innerhalb eines Jahres zu einem tastbaren Knoten entwickeln. Die wichtigsten Früherkennungsmaßnahmen sind die regelmäßige, gründliche Selbstuntersuchung der Brust durch Abtasten, die ärztliche Kontrolle bei Veränderungen an der Brust sowie das Einhalten der empfohlenen Kontrolluntersuchungen. Daneben ist es ratsam, sich möglichst umfassend zu informieren – sei es durch Informationsmaterial, welches Sie unter anderem bei Krankenkassen, dem Krebsinformationsdienst oder im Internet finden (eine Adressenauswahl finden Sie am Ende dieser Patienteninformation) – sei es durch persönliche Beratung bei Ihrem Arzt oder in entsprechenden Beratungszentren. Sprechen Sie alle Fragen bei Ihrem Arzt an. Manchmal ist es hilfreich, sich vorher eine Liste anzufertigen, alle Fragen darauf zu notieren und beim Arztbesuch mitzunehmen. Wenn bei Ihnen Brustkrebs festgestellt wurde und Sie Zweifel an der geplanten Behandlung haben, zögern Sie nicht, eine zweite Meinung einzuholen. Die Einnahme von Estrogenpräparaten zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden sollte nur nach ausführlicher Beratung durch den Arzt und sorgfältiger Nutzen- Risiko-Abwägung erfolgen.
Eine Auswahl* nützlicher AdressenKrebsinformationsdienst (KID) im Deutschen Krebsforschungszentrum Deutsche Krebshilfe e.V. Brustkrebs-Info Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. Deutsche Krebsgesellschaft e.V. Informationsbroschüre zu Brustimplantaten Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte * Angaben ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit
Tipps zur Selbstuntersuchung
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