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Patienteninformation zum Thema Brustkrebs

Neben Darmkrebs zählt bei Frauen Brustkrebs zu den am häufigsten diagnostizierten Krebsformen in Deutschland.

Diese Patienteninformation soll Betroffene und ihre Angehörigen ermutigen, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und ihnen helfen, zusammen mit ihrem behandelnden Arzt, als mündige Patientinnen die für sie optimale Behandlung auszuwählen.
Außerdem soll diese Patientenbroschüre auch Nicht-Betroffene informieren, die gerne mehr über die Erkrankung „Brustkrebs" wissen möchten.
Des Weiteren finden Sie am Ende dieser Broschüre nützliche Adressen von Informationszentren und Selbsthilfegruppen, mit denen Sie Kontakt aufnehmen und ausführlicheres Material beziehen können.

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, allerdings ist die Erkrankung sehr selten!

 

Der Aufbau der weiblichen Brust

Die weibliche Brust im QuerschnittDie weibliche Brust (lateinisch: mamma) mit der Brustdrüse besteht aus ca. 15 Einzeldrüsen, Bindegewebezügen, einem individuell verschieden großen Anteil an Fettgewebe, den versorgenden Nerven und Gefäßen, der Haut, der Brustwarze und dem Warzenvorhof. Unter der Brust befinden sich jeweils der große und der kleine Brustmuskel, die die Rippen bedecken.

Jede Brust ist in 15-20 Abschnitte unterteilt, die sog. Lappen, welche wiederum viele kleine Drüsenläppchen mit Gruppen winziger Drüsen enthalten. Diese Drüsen können Milch produzieren, die dann aus den Läppchen durch die sog. Milchgänge fließen. An jeder Brustwarze enden etwa 15 dieser Milchgänge, aus denen gelegentlich Flüssigkeit auch außerhalb der Stillzeit austreten kann. Umgekehrt können Bakterien über die Brustwarze in die Milchgänge eindringen und eine Brustdrüsenentzündung (Mastitis) hervorrufen. Das Risiko, an einer Brustdrüsenentzündung zu erkranken, ist besonders in der Stillzeit hoch.

Neben den Blutgefäßen wird die Brust außerdem von Lymphbahnen durchzogen, in denen eine klare Flüssigkeit, die Lymphe, fließt. Die Lymphgefäße führen zu den Lymphknoten, die sich in der Nähe der Brust, in den Achselhöhlen und über dem Schlüsselbein befinden.
Über die Lymphgefäße können Bakterien oder bösartige Zellen bei einer Tumorerkrankung in andere Organe des Körpers verschleppt werden. Die Lymphknoten wirken dabei als Filter, indem sie die Bakterien oder Zellen abfangen. Im normalen Zustand sind die Lymphknoten weich und kaum tastbar. Im Rahmen von Infektionen oder Krebserkrankungen können sie anschwellen und tastbar werden.
Wenn die Schwellung länger anhält, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um ernsthafte Ursachen auszuschließen.

 

Wie entsteht Brustkrebs?

Im Körpergewebe, das aus unzähligen einzelnen Zellen besteht, werden in dem Maße, wie sie vom Körper benötigt werden, fortlaufend neue Zellen gebildet. Alte Zellen sterben ab und werden durch diese neu gebildeten Zellen ersetzt. Durch Veränderungen von Körperzellen kann es zu einer Fehlsteuerung des Wachstums kommen. Diese Zellen eines Organs oder Gewebes teilen sich unkontrolliert, sie vermehren sich ungebremst und sind der Wachstumskontrolle des Körpers entzogen. Zusätzlich sterben alte Zellen nicht ab. Das kann dazu führen, dass die neu gebildeten Zellen eine Gewebemasse bilden, die als Geschwulst oder Tumor bezeichnet werden.

Ein Tumor kann sowohl gutartig (benigne) als auch bösartig (maligne) sein.

Gutartige Tumore werden meist durch die Neubildung von Binde- und Drüsengewebe (Fibroadenom), seltener durch die Neubildung von Fettgewebe (Lipom) verursacht. Sie sind nur sehr selten lebensbedrohlich, können meist entfernt werden und wachsen nur selten wieder nach. Außerdem streuen Zellen von gutartigen Tumoren in der Regel nicht in benachbarte Gewebe oder andere Körperbereiche aus.

Bösartige Tumore werden auch als Krebs bezeichnet. Bei allen Krebsarten haben sich gesunde Zellen verändert. Für diese „Entartung" von Zellen – also die Umwandlung von gesunden Zellen in Krebszellen – sind viele Faktoren verantwortlich. Bösartige Tumore sind in der Regel schwerwiegender als gutartige Tumore und können auch lebensbedrohlich sein. Auch bösartige Tumore können häufig entfernt werden, jedoch besteht die Möglichkeit, dass sie nachwachsen.

Zellen von bösartigen Tumoren können in andere Gewebe einwachsen, dieses zerstören und über die Blutbahn oder die Lymphgefäße in andere Körperregionen verschleppt werden und sich dort weitervermehren. So entstehen die so genannten Metastasen (Tochtergeschwülste).

Bösartige Tumoren der Brust (Mammakarzinome) entstehen meist in den Milchgängen der Brust, seltener in den Drüsenläppchen. Dementsprechend teilt man Brustkrebs ein in Milchgangkarzinome (duktale Karzinome) und Läppchenkarzinome (lobuläre Karzinome).

Am häufigsten ist das äußere, obere Brustviertel von Krebs betroffen, da hier der größte Teil der Brustdrüsen lokalisiert ist.

Neben der Lokalisation teilt man die Erkrankung Brustkrebs in verschiedene Stadien ein, dem so genannten TNM-Schema. Dabei bedeutet T die Tumorgröße, N steht für Noduli (Lymphknoten) und M für Metastasen.

zum Beispiel:
T1: Tumor mit einem Durchmesser bis zu 2 cm
T2: Tumor mit einem Durchmesser bis zu 5 cm
T3: Tumor mit einem Durchmesser über 5 cm
T4: Tumor mit Ausdehnung auf Brustwand oder Haut, unabhängig von der Größe

N0: keine Lymphknoten befallen
N1: Lymphknoten befallen
M0: keine Fernmetastasen nachweisbar
M1: Fernmetastasen nachweisbar

 

Wer ist besonders gefährdet, an Brustkrebs zu erkranken?

Genaue Ursachen für eine Krebserkrankung gibt es nach heutigen Erkenntnissen nicht. Deshalb ist bei über 90 % der betroffenen Brustkrebspatientinnen die Ursache unbekannt.

Den wichtigsten Risikofaktor stellt das Alter dar, da mit zunehmendem Alter Fehler in der Zellteilung wahrscheinlicher werden. Dies gilt besonders für Frauen über 60 Jahren.

Ein weiterer Risikofaktor für die Entstehung von Brustkrebs ist die familiäre Vorbelastung, d.h. wenn Verwandte 1. Grades, also Mutter oder Schwester an Brustkrebs erkrankt sind oder waren. Das Risiko für solche Menschen, selbst an Krebs zu erkranken, ist gegenüber anderen auf ca. das Doppelte erhöht. Brustkrebsfälle bei weiter entfernten Verwandten (z. B. Großmutter oder Tante) bedeuten nach derzeitigem Kenntnisstand kein erhöhtes Risiko.

Andere mögliche Risikofaktoren, die das Auftreten von Brustkrebserkrankungen begünstigen können, sind u. a.

  • Auftreten von Brustkrebs an einer Brust (erhöhtes Risiko von Brustkrebs auch an der anderen Brust)
  • Auftreten von untypisch proliferierender Mastoopathie (gutartige Vermehrung von Milchgängen, Drüsenläppchen und Bindegewebe in der Brust)
  • längere Einnahme von Estrogenen und/oder Gestagenen (weibliche Sexualhormone) z. B. zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden (Hormontherapie)
  • krankhaftes Übergewicht (Body-Mass-Index >30) vor allem nach der Menopause
  • frühes Auftreten der ersten Regelblutung (vor dem 11. Lebensjahr), später Eintritt der Wechseljahre (nach dem 50. Lebensjahr)
  • ionisierende Strahlen, sowie
  • Tabak- und/oder Alkoholgenuss.

Da weibliche Sexualhormone (Estrogene und Gestagene) das Tumorwachstum begünstigen können, sind viele Frauen verunsichert, ob die Einnahme von Hormonpräparaten das Brustkrebsrisiko erhöht.
Durch die Einnahme der empfängnisverhütenden „Pille" besteht nach derzeitigem Kenntnisstand kein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.
Dagegen erhöht die längere Einnahme (> 5 Jahre) von Hormonpräparaten (Estrogene allein oder mit Gestagenen) z.B. zur Linderung der Wechseljahrsbeschwerden das Risiko. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Hormone als Tablette eingenommen oder als Pflaster oder Gel angewandt werden. Daher wird heute empfohlen, eine Hormontherapie nur durchzuführen, wenn die Wechseljahrsbeschwerden sehr stark sind. Grundsätzlich sollte dann so niedrig wie möglich dosiert werden und nur so kurz wie möglich behandelt werden.

 

Wie stellt man Brustkrebs fest?

Insbesondere im Frühstadium verläuft Brustkrebs im Allgemeinen symptomlos – verursacht also weder Beschwerden noch Schmerzen.

Rund 80 % aller Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, haben den Knoten selbst durch Abtasten der eigenen Brust bemerkt.

Beim Verdacht auf das Vorliegen eines Brustkrebses wird der Arzt eingehende Untersuchungen vornehmen bzw. zu einem geeigneten Facharzt überweisen. Neben der Erhebung der Krankengeschichte (Sind Verwandte ersten Grades an Brustkrebs oder Eierstockskrebs erkrankt? - In welchem Alter? - Traten zu einem früheren Zeitpunkt bereits Zysten oder andere gutartige Tumore an der Brust auf? usw.) und dem Abtasten beider Brüste und der Achselhöhlen (klinische Untersuchung) wird je nach Alter eine Röntgenuntersuchung (Mammographie) der Brust durchgeführt bzw. bei jüngeren Frauen zuerst eine Ultraschalluntersuchung.

Mammographie als UntersuchungsmethodeFrauen ab 40 sollten regelmäßig (alle 1-2 Jahre) eine Mammographie machen lassen. Mit Hilfe dieser Mammographie lassen sich z.B. Mikroverkalkungen (Gruppen winziger Kalziumeinlagerungen), die Größe von Tumoren und die Abgrenzung von gutartigen Veränderungen einigermaßen sicher feststellen, auch schon bevor etwaige Knoten ertastet werden können. Derzeit ist dies die einzige Methode mit der frühzeitig verdächtige Mikroverkalkungen erkannt werden können. Trotzdem kann es zu falsch-positiven (verdächtiges Mammogramm, obwohl es sich nicht um Krebs handelt) oder falsch-negativen Befunden (bereits vorhandene Tumore werden nicht erkannt) kommen. Deshalb sollte die Mammographie immer von einem sehr erfahrenen Facharzt mit einem modernen Gerät durchgeführt werden. Die Strahlenbelastung ist bei der Mammographie mit modernen Geräten sehr gering, etwa mit der Strahlenbelastung bei einem Ferienflug zu vergleichen.

Die Ultraschalluntersuchung gehört bei auffälligen Brustbefunden immer dazu, um bei unklaren Befunden eine Diagnose zu sichern. Ein erfahrener Arzt kann bei einer Ultraschalluntersuchung Knoten in der Brust ab 0,01 cm Größe erkennen. Bei jungen Frauen mit dichter Brust kann sie auch als alleiniges Bild gebendes Verfahren eingesetzt werden. Wird der Brust-Ultraschall zusätzlich zur Mammographie verwendet, verbessert sich die Aufdeckungsrate um ca. 30%.

Zeigt sich bei einer Mammographie oder Ultraschalluntersuchung Verdächtiges, so muss eventuell zusätzlich noch eine Biopsie (mit Hilfe einer Nadel wird eine Flüssigkeits- oder Gewebeprobe entnommen) durchgeführt werden. Eine Biopsie ist der einzige Weg eine Krebserkrankung sicher festzustellen. Die mikroskopische Untersuchung des entnommenen Gewebes liefert ggf. wichtige Hinweise auf den Tumortyp und die Aggressivität des Tumors (Grading). Enthält die Probe keine Krebszellen, werden ggf. weitere Proben entnommen und bei fortbestehendem Verdacht auch das verdächtige Gewebe operativ entfernt.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Die Behandlung des Brustkrebses hängt ab von der Tumorgröße, einer eventuellen Metastasierung und dem Alter der Frau. Die wichtigsten Säulen der Behandlung sind

  • Operation
  • Strahlentherapie
  • medikamentöse Therapie (ergänzende Chemotherapie und Hormon- oder Immunotherapie)

Zusätzlich können Frauen in allen Krankheitsstadien eine Therapie gegen Schmerzen oder andere Symptome erhalten, wie z.B. zur Linderung von Nebenwirkungen oder eventueller emotionaler Probleme.

 

Operation

Steht die Diagnose Brustkrebs fest, ist die erste Wahl einer Therapie die Operation, eventuell mit vorangegangener Chemotherapie zur Verkleinerung des Tumors.
Soweit möglich wird eine brusterhaltende Operation durchgeführt.
Unabhängig davon, ob eine brusterhaltende oder eine totale Brustoperation durchgeführt wird, werden dabei ebenfalls einige Lymphknoten der Achselhöhle entnommen, um das Stadium der Erkrankung zu bestimmen. Da die klassische Ausräumung der Achselhöhle mit erheblichen Begleiterscheinungen wie Bewegungseinschränkung, Schwellungen durch Lymphstau und Gefühlsstörungen verbunden sein kann, wird derzeit im Rahmen von Studien die Sentinel-Node-Biopsie untersucht, bei der u. U. nur sogenannte „Wächterlymphknoten" entfernt werden, wenn in diesen keine Metastasen aufgetreten sind. Diese Methode ist inzwischen, auch außerhalb von Studien, quasi zum Standard geworden, wenn die Klinik über entsprechende Erfahrung verfügt.
Die Untersuchung des operativ gewonnenen Tumors und der Lymphknoten liefert Auskunft über möglicherweise gebildete Metastasen.
Jede Tumorprobe wird außerdem daraufhin untersucht, ob sie Rezeptoren (Angriffstellen) für das weibliche Sexualhormon Estrogen enthält (bei ca. 60 - 80 %). Dies ist wichtig im Hinblick auf eine medikamentöse Behandlung. Bei Tumoren mit Estrogen-Rezeptoren ist eine Behandlung mit einem Antiestrogen, d. h. mit einem Wirkstoff, der die Bindung von Estrogen an die Rezeptoren verhindert und damit das Tumorwachstum hemmen kann, Erfolg versprechend.
Daneben wird die Tumorprobe auf das Vorhandensein bestimmter Angriffstellen für Wachstumsfaktoren untersucht (HER2,bei etwa 25 - 30 %). Bei Vorhandensein kann eine Behandlung mit einem speziellen Antikörper (s. Immunotherapie) erwogen werden.

Bei Verdacht auf Bildung von Metastasen werden ggf. weitere Untersuchungen durchgeführt, um auszuschließen, dass andere Organe (Lunge, Leber, Knochen u. a.) bereits vom Tumorwachstum betroffen sind.

Nach operativer Entfernung der Lymphknoten kann es zur Stauung von Lymphflüssigkeit kommen und damit zur Schwellung, zum schmerzhaften und unangenehmen Lymphödem. Behandelt wird dies durch eine spezielle Massagetechnik, der Lymphdrainage, bei der Lymphe in die Gefäße und ins Blut zurückgedrückt wird. Erleichterung bringt auch das Hochlagern des Armes und das Tragen eines Armstrumpfes. Gegebenenfalls können krankengymnastische Übungen sinnvoll sein, um anfängliche Beweglichkeitseinschränkungen des Schultergelenkes zu überwinden. Um Lymphstau vorzubeugen, sollten extreme Kälte und extreme Wärme (Sonne, Sauna) vermieden werden, beim Sonnen sollte der Arm zumindest anfangs abgedeckt werden.

 

Strahlentherapie

Bei einer Strahlentherapie wird energiereiche Strahlung dazu eingesetzt, Krebszellen abzutöten. In der Regel wird nach brusterhaltenden Operationen auf Grund des höheren Rückfallrisikos immer eine Strahlenbehandlung durchgeführt, bei totalen Brustoperationen nur dann, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Bei manchen Frauen wird auch schon vor einer Operation eine Strahlentherapie durchgeführt, um den Tumor zum schrumpfen zu bringen und Krebszellen zu zerstören.
Durch moderne Techniken bei der Bestrahlung und individuellen Behandlungsplänen ist die Bestrahlung heute deutlich effektiver und verträglicher als früher.

Man unterscheidet zwei Arten der Strahlentherapie:

Bei der sog. externen Bestrahlung dient ein Gerät als Strahlenquelle. Die Bestrahlung wird im Krankenhaus oder der Ambulanz durchgeführt. In der Regel 5 Tage die Woche über 5-7 Wochen etwa 2 Minuten pro Tag. Schlappheitsgefühl und Müdigkeit gegen Behandlungsende bessern sich im Allgemeinen nach wenigen Wochen. Da die Haut im bestrahlten Bereich empfindlich wird, sollte während der Bestrahlung auf Deo und Parfum verzichtet, die Haut mit Babypflegeprodukten (Öl, Puder) gepflegt und eng anliegende Kleidung sowie Kunstfasern gemieden werden.

Bei der sog. internen Bestrahlung werden als Strahlenquelle dünne Plastikröhrchen, die radioaktives Material enthalten, direkt in die Brust eingebracht. Für diese Implantatbestrahlung ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich. Die Implantate verbleiben mehrere Tage in der Brust und werden vor der Entlassung wieder entfernt.

 

Medikamentöse Therapie

Eine medikamentöse Therapie wird unter bestimmten Umständen zusätzlich zur Operation und Strahlentherapie durchgeführt. Ob eine Chemotherapie, Hormonoder Immunotherapie durchgeführt wird, hängt in erster Linie davon ab, ob sich Tochtergeschwülste, also Metastasen in den Lymphknoten gebildet haben (Lymphknotenstatus) sowie von weiteren Risikofaktoren wie u. a. Tumorgröße, Tumortyp, Aggressivität des Tumor.

Unter Abschätzung des individuellen Risikos der Frau stehen dem Arzt verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:

Chemotherapie
Chemotherapeutika sind Arzneimittel, die Zellen zerstören, die sich rasch teilen, wie z. B. Tumorzellen. Sie werden eingesetzt zur Behandlung oder Vorbeugung von Metastasen. Meist werden dabei verschiedene Arzneimittel kombiniert, die in Form von Tabletten, als Injektion oder auch als Infusion (intravenös) verabreicht werden.
Leider schädigen Chemotherapeutika außer Krebszellen auch andere Zellen, die sich schnell teilen, wie Blutzellen, Haarwurzelzellen und Zellen des Magen- Darm-Traktes, was zu unerwünschten Wirkungen wie erhöhter Infektanfälligkeit, erhöhtem Blutungsrisiko, Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen führen kann. Die Ausprägung der unerwünschten Wirkungen ist je nach Substanz und Dosis unterschiedlich stark und mit Medikamenten meist gut beherrschbar.

Hormontherapie
Estrogen ist ein weibliches Sexualhormon und wird bei der Frau in den Eierstöcken (nach den Wechseljahren in kleineren Mengen), in der Nebennierenrinde und im Fettgewebe produziert. Estrogen kann das Wachstum von Brustkrebs fördern, insbesondere, wenn viele „Andockstellen" (Rezeptoren) für Estrogen im Tumorgewebe vorhanden sind. Körpereigenes – aber auch künstlich zugeführtes Estrogen (z. B. im Rahmen der Hormontherapie zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden) erhöht daher das Erkrankungsrisiko für Brustkrebs.
Bei den meisten Frauen (60 - 80 %) weist der operativ entfernte Tumor Rezeptorstellen für Estrogene auf. Durch „Andocken" von Estrogen an diesen Rezeptorstellen wird das Tumorwachstum gefördert.


Bei der Hormontherapie kann durch die Reduktion von Estrogen im Körper das Risiko einer Wiederkehr der Tumorerkrankung verringert werden. Im Allgemeinen wird die Hormonbehandlung gut vertragen, es können jedoch Beschwerden – ähnlich denen in den Wechseljahren – auftreten.

Mittel der ersten Wahl in der Hormontherapie sind bislang sog. Antiestrogene (z. B. Tamoxifen). Der Wirkstoff bindet an die Angriffstellen für Estrogen am Tumorgewebe und verhindert damit das Andocken von Estrogen. Ein weiterer Wirkstofftyp sind die sog. Aromatasehemmer. Diese verhindern, dass der Körper ein bestimmtes Estrogen (Estradiol) produziert. Eine weitere Therapiemöglichkeit bietet die Gruppe der Gonadotropin-Hormon-Analoga, sog. zentrale Freisetzungshormone. Sie versetzen die Patientinnen vorübergehend in einen Zustand ohne weibliche Hormone, wie bei Frauen nach den Wechseljahren.

Beim metastasierenden Mammakarzinom (d. h. Bildung von Tochtergeschwüren z.B. in der Leber, im Gehirn oder in den Knochen) werden meist Chemotherapie, Hormontherapie und Strahlentherapie kombiniert eingesetzt.

 

Immunotherapie

Um den Krebs zu bekämpfen wird bei der Immunotherapie das körpereigene Immunsystem genutzt. Die hier verabreichten Wirkstoffe sind sog. monoklonale Antikörper, wie z. B. Trastuzumab. Es kann das Wachstum bestimmter Krebszellen (solche, die zu große Mengen eines bestimmten Proteins [HER2] enthalten oder produzieren) verlangsamen oder stoppen, vor allem auch das von Metastasen. Trastuzumab wird über die Vene injiziert und kann alleine oder in Kombination mit einer Chemotherapie verabreicht werden.

 

Welche Früherkennungsmaßnahmen kann man treffen?

Aufgrund der deutlich günstigeren Heilungschancen bei frühzeitigem Erkennen des Brustkrebses kommt der Früherkennung eine wichtige Bedeutung zu.
Entscheidend für die Früherkennung ist die regelmäßige, sorgfältige Selbstuntersuchung durch die Frau. Dazu sollte jede Brust gründlich abgetastet werden. Am günstigsten ist der Zeitpunkt nach der Regelblutung, da dann der Hormoneinfluss am geringsten ist.

Eine ärztliche Untersuchung ist immer ratsam,wenn

  • Verhärtungen oder Knoten tastbar sind
  • kleine Brustverletzungen nicht spontan abheilen
  • Einziehungen in die Haut oder an der Brustwarze bemerkt werden
  • Hautveränderungen der Brustwarze oder des Warzenvorhofes bemerkt werden
  • die Lymphknoten angeschwollen sind
  • farbige, insbesondere blutige Absonderungen aus der Brustdrüse austreten.

Wahrscheinlich ist die Ursache der genannten Symptome harmlos. Da rechtzeitiges Erkennen des Brustkrebses die Erfolgschancen der Behandlung deutlich verbessert, sollten Sie dennoch einen Arzt aufsuchen, wenn Sie diese Anzeichen bei sich bemerken, um ernsthafte Ursachen sicher auszuschließen.

Ab dem 30. Lebensjahr wird eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung durch den Frauenarzt (Abtasten der Brust und der Achselhöhlen, Abstrichuntersuchung des Gebärmutterhalses ab dem 20. Lebensjahr) empfohlen und von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Ob eine alle zwei Jahre durchgeführte Mammographie bei Frauen zwischen dem 50. und dem 70. Lebensjahr eine geeignete Früherkennungsmaßnahme darstellt, wird von Fachleuten sehr unterschiedlich beurteilt und wird nach einigen Modellversuchen in Deutschland jetzt schrittweise flächendeckend eingeführt. Bei Verdacht auf Veränderungen in der Brust ist der Nutzen der Mammographie jedoch unbestritten. Frauen, bei denen in der Familie gehäuft Brust- oder Eierstockkrebs vorkommen oder bei denen eine untypisch proliferierende Mastopathie (gutartige Vermehrung des Bindegewebes in der Brust) aufgetreten ist, sollten eventuell schon früher eine Mammographie durchführen lassen.

 

Was können Sie selbst tun – Vorsorge und Nachsorge

Brustkrebs kann sich schon innerhalb eines Jahres zu einem tastbaren Knoten entwickeln.

Die wichtigsten Früherkennungsmaßnahmen sind die regelmäßige, gründliche Selbstuntersuchung der Brust durch Abtasten, die ärztliche Kontrolle bei Veränderungen an der Brust sowie das Einhalten der empfohlenen Kontrolluntersuchungen.

Daneben ist es ratsam, sich möglichst umfassend zu informieren – sei es durch Informationsmaterial, welches Sie unter anderem bei Krankenkassen, dem Krebsinformationsdienst oder im Internet finden (eine Adressenauswahl finden Sie am Ende dieser Patienteninformation) – sei es durch persönliche Beratung bei Ihrem Arzt oder in entsprechenden Beratungszentren.

Sprechen Sie alle Fragen bei Ihrem Arzt an. Manchmal ist es hilfreich, sich vorher eine Liste anzufertigen, alle Fragen darauf zu notieren und beim Arztbesuch mitzunehmen. Wenn bei Ihnen Brustkrebs festgestellt wurde und Sie Zweifel an der geplanten Behandlung haben, zögern Sie nicht, eine zweite Meinung einzuholen.

Die Einnahme von Estrogenpräparaten zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden sollte nur nach ausführlicher Beratung durch den Arzt und sorgfältiger Nutzen- Risiko-Abwägung erfolgen.
Die allgemeine Vorsorge sollte Gewichtsreduktion bei Übergewicht, eine abwechslungsreiche, ausgewogene und fettarme Ernährung sowie die Abstinenz von Alkohol oder Tabak beinhalten.

 

Eine Auswahl* nützlicher Adressen

Krebsinformationsdienst (KID) im Deutschen Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Tel.: 06221-410121
E-Mail: Krebsinformation@dkfz.de
www.krebsinformationsdienst.de

Deutsche Krebshilfe e.V.
Thomas-Mann-Str. 40
53111 Bonn
Tel.: 0228-72990-0
www.krebshilfe.de/

Brustkrebs-Info
Ausführliche Informationen im Internet,
Selbstuntersuchungskurs
Brustkrebs Lexikon
www.brustkrebs-info.de/

Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.
Geschäftsstelle des Bundesverbandes
B6, 10/11
68159 Mannheim
Tel.: 0621-24434
www.frauenselbsthilfe.de/

Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Steinlestraße 6
60596 Frankfurt am Main
Tel.: 069-630096-0
www.deutsche-krebsgesellschaft.de/

Informationsbroschüre zu Brustimplantaten
Kurze und verständliche Antworten auf die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit Brustimplantaten kann die aktuelle Informationsbroschüre des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geben. www.bfarm.de/Pressemitteilung

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Pressestelle
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3
D – 53175 Bonn
E-Mail: pressestelle@bfarm.de
Für den Inhalt der auf den oben genannten Webseiten zugänglichen Texte kann die 1 A Pharma GmbH keine Gewähr übernehmen.

* Angaben ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit

 

Tipps zur Selbstuntersuchung

  1. Stellen Sie sich vor den Spiegel und betrachten Sie mit am Körper anliegenden Armen Ihre Brüste.
    Achten Sie besonders auf Veränderungen der Form, des Umfangs und des Aussehens der Haut oder der Brustwarzen die Ihnen erstmalig auffallen.


  2. Als nächstes beachten Sie Form und Größe der Brüste (jede Brust von vorne und von der Seite) mit nach oben gehaltenen Armen. Besonders wichtig ist es, auf neu aufgetretene oder einseitige Falten, Vorwölbungen, Hauteinziehungen, Hautveränderungen der Brüste oder Brustwarzen zu achten.


  3. Anschließend tasten Sie im Stehen mit allen Fingern der flachliegenden Hand Ihre Brüste ab. Die rechte Brust mit der linken Hand und die linke Brust mit der rechten Hand. Tasten Sie jeweils abwechselnd ein Viertel der Brust ab. Die Brustdrüse ist im oberen äußeren Viertel bei den meisten Frauen dichter.


  4. Drücken Sie jetzt jede Brustwarze zwischen Daumen und Zeigefinger. Sollte Flüssigkeit austreten, achten Sie auf die Farbe.




  5. Dann wiederholen Sie das kreisförmige Abtasten der Brüste im Liegen. Tasten Sie jeweils ein Viertel der Brust mit den Fingern ab. So kann man den unteren Bereich der Brüste besser untersuchen.



  6. Immer noch im Liegen untersuchen Sie mit den Fingern, ob in den Achselhöhlen Lymphknoten tastbar sind. Dies ist nicht außergewöhnlich. Aber wichtig dabei ist zu erkennen, ob sie erst kürzlich aufgetreten sind oder sich verändert haben.

 

 

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PDF Brustkrebs (498.25 kb | 15.09.2008)