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Ratgeber bei akuten Durchfallerkrankungen

Was ist Durchfall und was sind die möglichen Ursachen?

Viele Menschen sprechen schon von Durchfall, wenn sich Ihre gewohnten Stuhlgewohnheiten in Richtung "häufiger und ungeformter" ändern. Normalerweise schwankt jedoch die Anzahl der Darmentleerungen zwischen dreimal am Tag und dreimal pro Woche.
Medizinisch spricht man von Durchfall (griechisch: Diarrhoe), wenn innerhalb von 1 Tag mehr als drei wässrige oder breiige Stühle auftreten.
Bei gesunden Erwachsenen erfordert ein unkomplizierter akuter Durchfall über 1 bis maximal 2 Tage in der Regel keinen Arztbesuch
(Ausnahmen siehe "In folgenden Fällen sollten Sie beim Auftreten von Durchfällen unbedingt einen Arzt aufsuchen").

Prinzipiell ist der akute Durchfall nicht als eigenes Krankheitsbild anzusehen, sondern ist eine "normale" Abwehrreaktion des Körpers auf krankmachende Stoffe, die dadurch besonders schnell wieder ausgeschieden werden sollen.
Die momentan gestörte Darmfunktion ist somit ein Krankheitszeichen (Symptom), das auf eine Befindlichkeitsstörung des Organismus hinweist. Die Ursachen für Durchfall sind vielfältig. In Frage kommen unter anderem: verdorbene oder verunreinigte Lebensmittel und Getränke, bakterielle oder virale Infekte ("Darmgrippe"), Auslands- oder Tropenaufenthalte, bestimmte Arzneimittel, Missbrauch von Abführmitteln, aber auch Stress, Nervosität und Angst, erhöhte Sensibilität auf einzelne Nahrungsmittel z. B. Milchzucker, ein vermehrter Konsum von Süßstoffen bzw. Zuckerersatzstoffen wie Mannit oder Sorbit.

Für die Entstehung von Durchfall gibt es zwei grundlegende Mechanismen:

  • Beschleunigung der Darmpassage durch eine gesteigerte Beweglichkeit des Darmes
  • erhöhte Flüssigkeitsabgabe in den Darm

 

Akuter Durchfall beim Erwachsenen: Was tun?

Rehydratationslösungen

Durch den Salz- und Flüssigkeitsverlust bei Durchfall fühlt man sich meist schlapp und matt. Daher ist es an erster Stelle wichtig und sinnvoll, das, was der Körper verliert, möglichst schnell zu ersetzen.
Die beste Möglichkeit, Flüssigkeit und Salze (Elektrolyte) zu ersetzen, besteht in der Einnahme sogenannter "Rehydratationslösungen", die in Apotheken erhältlich sind. Hierbei ist das Hauptziel, das verlorene Wasser langsam über einen längeren Zeitraum zurückzugeben und die Konzentration der Körpersalze wieder ins Gleichgewicht zu bringen (Rehydratation). Eine Beeinflussung der Stuhlfrequenz und -konsistenz erfolgt damit aber nicht.

Die Rehydratationslösungen enthalten neben Wasser verschiedene Salze und Traubenzucker (Glucose) in einem definierten Verhältnis. Zusammensetzung ist so gewählt, dass die Lösung auch bei schwereren Durchfallerkrankungen von der Darmschleimhaut aufgenommen und ein Austrocknen des Körpers verhindert wird. Der Anteil an Glucose ist für die optimale Aufnahme von Salzen wichtig.
Um den leicht salzigen Geschmack der Elektrolytlösungen etwas abzumildern, werden den modernen Elektrolytzubereitungen Aromastoffe als Geschmacksverbesserer hinzugegeben. Manche Patienten nehmen die Lösung gekühlt zu sich.
Von der Gabe von Cola- oder Saftgetränken (auch zusammen mit Salzstangen) ist allgemein aufgrund der unangemessenen Elektrolytkonzentration und des hohen Zuckeranteils abzuraten, da dies eine schnelle Rehydratation eher verhindert. Speziell bei Cola ist der Coffeingehalt zu beachten; dasselbe gilt für Kaffee. Milch und Milchprodukte können den Durchfall ebenfalls verstärken. Ebenso ist Alkohol zu meiden.

 

Rezeptfrei in der Apotheke erhältliche Arzneimittel mit dem Wirkstoff Loperamid

Für eine weitere symptomatische Therapie des akuten Durchfalls sind in der Apotheke rezeptfreie Arzneimittel (u. a. Kapseln) mit dem Wirkstoff Loperamid erhältlich.
Durch die Einnahme dieser Medikamente ist es möglich, den Darm kurzfristig ruhig zu stellen. Die apothekenpflichtigen Arzneimittel dürfen kurzzeitig und nur von Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren eingenommen werden, sofern keine ursächliche Therapie zur Verfügung steht. Die empfohlene Dosierung ist einzuhalten und darf nicht überschritten werden. Eine über 2 Tage hinausgehende Behandlung darf nur unter ärztlicher Verordnung und Verlaufsbeobachtung erfolgen. Bei fieberhaften und/oder blutigen Durchfällen muss die Anwendung unterbleiben und umgehend ein Arzt konsultiert werden.
Loperamid bewirkt eine Reduktion der Stuhlhäufigkeit und Verfestigung der Stuhlbeschaffenheit, indem sowohl die gesteigerten Darmbewegungen als auch die erhöhte Flüssigkeitsabgabe in den Darm gehemmt werden. Auf diese Weise kann beispielsweise eine Auto- oder Busfahrt überstanden werden, ohne andauernd auf die Toilette gehen zu müssen.

Die für Erwachsene empfohlene Dosierung von Loperamid-Kapseln mit 2 mg Wirkstoff lautet: zu Beginn der Behandlung 2 Kapseln, danach nach jedem ungeformten Stuhl jeweils eine Kapsel. Die maximale Tagesdosis von 6 Kapseln (entsprechend 12 mg Wirkstoff) darf nicht überschritten werden. Kinder über 12 Jahre nehmen zu Beginn der Behandlung und nach jeden ungeformten Stuhl 1 Kapsel (maximal 4 Kapseln pro Tag, entsprechend 8 mg Wirkstoff). Dauert der Durchfall trotz der Einnahme länger als 48 Stunden sollte der Erkrankte die Behandlung beenden und umgehend einen Arzt aufsuchen.

Bitte bei der Einnahme Angaben und Hinweise in der Packungsbeilage beachten!

 

In folgenden Fällen sollten Sie beim Auftreten von Durchfällen unbedingt einen Arzt aufsuchen:

  • Durchfall mit blutig-schleimigen Stühlen
  • Fieber über 38,5° C
  • Krankheitsdauer über 48 Stunden
  • mehr als 6 ungeformte Stühle pro Tag
  • anhaltendes Erbrechen
  • starke Flüssigkeitsverluste, mehr als 5% des Körpergewichts
  • mangelndes Vermögen, Flüssigkeit aufzunehmen
  • Verwirrtheitszustand
  • starke Bauchschmerzen oder Krämpfe
  • Säuglinge, Kleinkinder und Kinder unter 12 Jahren
  • Schwangere und Stillende
  • Patienten über 65 Jahre
  • Durchfall als Begleiterkrankung anderer schwerer Erkrankungen
  • bereits bestehende Magen-Darm-Erkrankungen
  • Verdacht auf eine Arzneimittelnebenwirkung (z. B. bei Antibiotika-Einnahme)
  • Verdacht auf eine Infektion des Magen-Darm-Traktes
  • Verdacht auf eine Tropenerkrankung (Auslandsaufenthalt)
  • bei Immunschwäche (z. B. nach Chemotherapie)
  • wenn Sie im Gastgewerbe oder Lebensmittelhandel arbeiten.

 

Allgemeine Ernährungsempfehlungen bei Durchfällen:

Entgegen der häufig verbreiteten Meinung hilft Hungern nichts, da der Magen-Darm-Trakt dadurch nicht geschont wird. Empfehlenswert ist bei Durchfall eine darmschonende Diät:

  • Reichlich trinken, am besten täglich zwei bis drei Liter stilles Mineralwasser (eher leicht angewärmt als eiskalt), lauwarmer Tee (z. B. Kamillen- oder Fencheltee) oder nicht zu heiße, klare Brühe. Schwarzer Tee, fünf Minuten gezogen, wirkt günstig.
  • Statt drei Hauptmahlzeiten fünf kleinere Mahlzeiten pro Tag einplanen.
  • Bei Durchfall bestens bewährt haben sich zerdrückte Bananen, geriebene Äpfel und Karotten - auch als Karottensuppe.
  • Als langsam aufbauende Diät sind Kartoffelbrei, Haferschleim, Nudeln und gekochter Reis ebenso wie Knäckebrot und ungezuckerter Zwieback geeignet.
  • Ungünstig wirken frisches Obst (ausgenommen Banane und geriebene Äpfel), gegrillte, frittierte oder fette und somit schwer verdauliche Speisen sowie stark gewürztes oder gebratenes Essen.
  • Meiden Sie blähendes Gemüse und Hülsenfrüchte.
  • Auf Milch und Milchprodukte verzichten.
  • Kein Kaffee, Alkohol und Zigaretten!
  • Fisch und Geflügel eignen sich jetzt besser als Fleisch vom Schwein, Rind oder Lamm.
  • Unbedingt sollte darauf geachtet werden, dass alle Vorräte z. B. im Kühlschrank einwandfrei gelagert sind. Möglicherweise verdorbene Lebensmittel können Schadstoffe enthalten. Diese gilt es immer zu vermeiden! Wenn Sie wieder Appetit bekommen haben, beginnen Sie langsam, sich wieder normal zu ernähren.

 

Durchfall auf Reisen

Endlich Urlaub! Die schönste Zeit des Jahres beginnt!
Die Koffer sind gepackt und los geht's, die große weite fremde Welt entdecken.

Doch bald, oft schon in den ersten Urlaubstagen, wird die Euphorie heftig gebremst:
Es rumort im Bauch und "Montezumas Rache" ist da…

Durchfall auf Reisen ist häufig und zunächst kein Grund zur Beunruhigung. Nach Schätzungen leiden etwa 20-50% aller Reisenden unter Durchfällen. Davon müssen rund 30% ihre Reiseplanung vor Ort kurzfristig ändern. Durchfall steht somit an erster Stelle der Gesundheitsstörungen auf Reisen.
Die Wahrscheinlichkeit, während der Reise an Durchfall zu erkranken, ist von Land zu Land verschieden. Allgemein kann man sagen: Je wärmer das Urlaubsland, desto größer die Gefahr - natürlich abhängig vom Hygienestandard. Im europäischen Mittelmeerraum, in Südafrika und auf vielen pazifischen Inseln ist das Risiko eher als mittel einzustufen, während in Mittel- und Südamerika, Afrika und Südostasien v. a. in tropischen und subtropischen Regionen ein hohes Risiko besteht. Verursacht wird der Reisedurchfall vor allem durch den Verzehr von verunreinigten Nahrungsmitteln und/oder Trinkwasser. Zusätzlich kann das Auftreten durch ungewohnte Klimaeinflüsse, Zeitverschiebungen, fremde Essgewohnheiten, kalte Getränke auf nüchternen Magen oder mit der Reise verbundene Aufregungen beeinflusst werden.
Während die einheimische Bevölkerung den oft bakteriellen Erregern meist ständig ausgesetzt ist und so eine gewisse Immunität entwickelt hat, reagieren Touristen prompt mit Durchfall. Am wichtigsten ist eine sorgfältige Auswahl von Lebensmitteln und Trinkwasser sowie das penible und konsequente Einhalten von Hygienemaßnahmen. Der klassische Merksatz für die Reiseempfehlungen lautet:

"Cook it, boil it, peel it - or forget it!"
("Koch es, erhitz es, schäl es oder vergiss es!")

 

Allgemeine Verhaltensempfehlungen für den Urlaubsaufenthalt:

  • Nur ausreichend und frisch gekochte Speisen sind unbedenklich, kalt zubereitete Gerichte können verunreinigt sein. Dies gilt oft selbst für Restaurants oder Hotels mit gehobenem Standard.
  • Halten Sie die Vorschriften zur Trinkwasserbehandlung ein. Wasser ist häufig verkeimt und sollte deshalb sowohl vor dem Trinken als auch vor dem Zähneputzen abgekocht oder auf eine andere geeignete Weise desinfiziert werden (z. B. durch Filtern oder Entkeimen auf chemischer Basis). Oder verwenden Sie Mineralwasser in Flaschen mit Originalverschluss. Beim Abkochen muss das Wasser mindestens 5 min. sprudelnd kochen, aber selbst dann lassen sich nicht alle Krankheitserreger abtöten.
  • Offenes Trinkwasser und Säfte (z. B. an Straßenkiosken) meiden. Am besten nur Getränke in verkapselt verschlossenen Flaschen verwenden. Auch im Restaurant daher das Mineralwasser in Flaschen bestellen, nicht im Krug servieren lassen.
  • Vorsicht vor Eiswürfeln, sie werden praktisch immer aus nicht abgekochtem Wasser zubereitet.
  • Nur Obst und Gemüse verzehren, das geschält werden kann oder das mit einwandfreiem Wasser gewaschen wurde. Gemüse am besten kochen, nicht roh essen.
  • Keine Salate verzehren, die mit Leitungswasser gewaschen wurden.
  • Waschen Sie sich vor jedem Essen die Hände.
  • Offene Milch, Joghurt oder Käse sind ebenfalls bedenklich.
  • Auf Speiseeis oder cremige Desserts verzichten.
  • Kein rohes oder nicht durchgebratenes Fleisch verzehren.
  • Vorsicht bei Hackfleisch, Meeresfrüchten und rohem Fisch.

Achtung:
Durchfälle, die nach der Rückkehr aus dem Urlaubsland weiter bestehen, sollten unbedingt ärztlich untersucht werden!

 

Patienten-Broschüre zum Thema Durchfall

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PDF Durchfall (611.96 kb | 07.03.2008)

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