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Patienteninformation zum Thema Gicht

Gicht ist eine erblich bedingte Stoffwechselstörung, bei der es zur Ablagerung von Harnsäurekristallen an verschiedenen Körperstellen, insbesondere in den Gelenken kommt.
 
Harnsäure entsteht im Körper beim Abbau von sogenannten Purinen. Purine sind Bausteine des in den Zellkernen vorkommenden Erbmaterials. Sie entstehen zum Einen im körpereigenen Stoffwechsel und werden zum Anderen mit der Nahrung aufgenommen. Durch eine Störung des Purinabbaus kommt es zu einer Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut und infolge dessen zu einer Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben. Der Harnsäurespiegel ist medikamentös beeinflussbar, kann aber meistens schon durch entsprechende Ernährung wieder normalisiert werden.

Die Gicht kann in Schüben von akuten Anfällen und/oder auch chronisch verlaufen.

Ein akuter Gichtanfall beginnt meist nachts oder frühmorgens mit heftigen Schmerzen, meist im Großzehengrundgelenk. Es können jedoch auch Sprunggelenke, Knie, Finger-, Hand- oder Schultergelenke betroffen sein. Gekennzeichnet ist ein Gichtanfall durch Schwellung, Hautrötung und starke Schmerzen am betroffenen Gelenk. Begleitend kann es zu Fieber, erhöhtem Puls und einem allgemeinen Krankheitsgefühl kommen. Unbehandelt zieht sich die Entwicklung eines Schubs mehrere Tage hin. Nach dem ersten akuten Anfall können Wochen, Monate oder sogar Jahre ohne weitere Krankheitszeichen vergehen.

Werden keine diätetischen bzw. medikamentösen Therapiemaßnahmen ergriffen, kann sich eine chronische Gicht entwickeln. In diesem Stadium sind die Schmerzattacken nahezu ununterbrochen vorhanden. Durch die Kristallablagerungen kommt es zur Zerstörung des Gelenkknorpels und der Knochen und im weiteren Verlauf zur Verformung der Gelenke. Der Patient leidet nun unter ständigen Bewegungsschmerzen und Schwellungen.
Typische Folgeerscheinungen sind außerdem die Gichtknoten, sogenannte Tophi. Diese Knötchen liegen unmittelbar unter der Haut und befinden sich meist an den Ohrmuscheln, Händen, Ellbogen und Füßen. Weiterhin kann es durch Bildung von Nierensteinen zu schweren Nierenschäden (Gichtniere) kommen.

Eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten ist die Basis der Gichttherapie.
Die Gicht ist eine typische Wohlstandskrankheit, denn außer einer erblichen Veranlagung sind vor allem hoher Fleisch- und Alkoholkonsum sowie Übergewicht Ursachen für die Erkrankung.
Als Ziel der diätetischen Behandlung gilt eine dauerhafte Senkung der Harnsäurekonzentration im Serum. Treten bei Werten bis zu 8,5 mg/dl (500 µmol/l) keine akuten Probleme auf, sind in der Regel Diätmaßnahmen ausreichend. Bei Harnsäurespiegeln ab 8,5 mg/dl (500 µmol/l) bzw. beim Auftreten von Komplikationen, wie Gichtanfällen oder Nierensteinen, ist eine zusätzliche Medikamenteneinnahme notwendig.

Die Senkung erhöhter Harnsäurewerte zur Behandlung von Gicht ist eine Dauertherapie. Auch wenn Sie im Moment keine Beschwerden haben, sollten Sie die folgenden Diät-Empfehlungen beachten.

 

5 Regeln für eine harnsäurereduzierte Ernährung:

Zu empfehlen ist eine vielseitige Kost aus Vollkorn, Gemüse und Obst.1. Einschränkung der Purinzufuhr
Nahrungspurine werden im menschlichen Körper zu Harnsäure abgebaut. Achten Sie daher auf den Purin- bzw. Harnsäuregehalt der Lebensmittel. In Ernährungstabellen werden Puringehalte in Harnsäure umgerechnet dargestellt (1 mg Purin entspricht 2,4 mg Harnsäureäquivalente). Die Zufuhr von Harnsäure (-äquivalenten) sollte etwa 500 mg pro Tag nicht überschreiten. Essen Sie daher nicht mehr als einmal täglich 100 g Fleisch, Fisch oder Wurst.
Meiden Sie Innereien, Schalen- und Krustentiere (Hummer und Krabben), ebenso wie Ölsardinen, Sardellen und geräucherte Makrelen. Verwenden Sie bevorzugt Gemüsebrühe als Alternative zur Fleischbrühe. Wer nicht ganz auf Fleisch verzichten möchte, sollte dieses sieden oder dünsten. Vom Braten ist aufgrund der dabei entstehenden purinhaltigen Kruste abzuraten.
Aber auch bei pflanzlichen Lebensmitteln ist der Puringehalt zu beachten. Der Verzehr von Hülsenfrüchten, Kohl und Rosenkohl sollte eingeschränkt werden, da beispielsweise Erbsen, Linsen und weiße Bohnen ebenso viele Purine enthalten wie eine Fleischmahlzeit.
Vorsicht bei: Wild, Geflügel, Spinat, Spargel, Pilzen, Nüssen und fetten Bratensoßen.
Zu empfehlen ist eine vielseitige Kost aus Vollkorn, Gemüse und Obst.

Sie werden sehen: Diät und Genuss ist kein Widerspruch.

Milch, Milchprodukte und Eier eignen sich am besten als Proteinquelle.2. Milch und Milchprodukte als bevorzugte Eiweißquelle
Ein hoher Eiweißgehalt von Nahrungsmitteln ist in der Regel mit einem hohen Puringehalt verbunden. Milch, Milchprodukte und Eier jedoch sind purinfrei bzw. purinarm. Sie eignen sich daher am besten als Proteinquelle, da reines Eiweiß die Harnsäureausscheidung über die Niere fördert. Fettarme Milch und Milchprodukte wie z.B. Magerquark sind vorzuziehen.

3. Einschränkung des Alkoholkonsums
Häufiger Auslöser eines Gichtanfalls ist der Konsum von Alkohol. Dieser hemmt die Harnsäureausscheidung über die Niere, regt die körpereigene Harnsäureproduktion an und fördert die Auskristallisation von Harnsäuresalzen. Zu beachten ist außerdem der hohe Puringehalt im Bier. Ein halber Liter enthält 170 mg Harnsäure!
Die Kombination von Alkohol und fettreicher Nahrung ist besonders ungünstig.

4. Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
Um die Nieren vor zu starker Belastung zu schützen, ist allgemein eine Flüssigkeitszufuhr von etwa 2 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag anzuraten. Erlaubt sind Tee, Wasser und Säfte.

5. Normalisierung des Körpergewichtes
Kontrollieren Sie regelmäßig Ihr Gewicht. Bei Übergewicht wird eine langsame, schrittweise Gewichtsabnahme angestrebt (keine Blitzdiäten!). Nach erreichter Reduktion sollte das Gewicht gehalten und eine erneute Zunahme unbedingt vermieden werden.
Es empfiehlt sich eine Ernährungsumstellung mit geringerem Fettverzehr, da eine hohe Fettzufuhr die Ausscheidung der Harnsäure hemmt.
Regelmäßige Bewegung und angemessene sportliche Aktivitäten sind wichtig.

 

Medikamente zur Behandlung der Gicht

Eine medikamentöse Therapie ist nur notwendig bei stark erhöhten Harnsäurewerten oder bei Beschwerden, die trotz Diät oder Gewichtsreduktion anhalten. Bei einer asymptomatischen Hyperurikämie, d.h. bei einer Erhöhung der Harnsäurewerte im Blut ohne Krankheitszeichen sind, als Therapie eine purinarme Ernährung und eine Einschränkung des Alkoholkonsums meist ausreichend.

Sollte eine medikamentöse Behandlung notwendig werden, muss man zwischen zwei Therapieformen unterscheiden:

 

Behandlung des akuten Gichtanfalls
Bei der Behandlung des akuten Gichtanfalls steht eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung im Vordergrund.
Deshalb werden Antiphlogistika, d.h. Arzneimittel mit entzündungshemmender und schmerzstillender Wirkung, gegeben, die z.B. die Wirkstoffe Indometacin, Diclofenac oder Ibuprofen enthalten.
Ein klassisches Medikament zur Behandlung eines akuten Gichtanfalls ist das Colchicin, ein Wirkstoff, der aus einer heimischen Pflanze, der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale L.), gewonnen wird. Es hemmt die weißen Blutkörperchen, die die Entzündung Körper aufrecht erhalten.
Colchizin wirkt sehr rasch, nach 24 bis 48 Stunden verschwinden die Krankheitszeichen meist völlig. Jedoch beobachtet man bei der Anwendung von Colchicin nahezu immer Nebenwirkungen wie Schwindel, Erbrechen und insbesondere einen ausgeprägten Durchfall, der oft auch nur durch Medikamente zu behandeln ist. Aus diesem Grunde wird Colchizin heute weniger häufig beim akuten Gichtanfall eingesetzt, zumal es nebenwirkungsärmere Alternativen, wie z.B. die Antiphlogistika, gibt.
Als dritte Arzneistoffgruppe, die in Ausnahmefällen für die Therapie des akuten Gichtanfalls verwendet wird, stehen Glucocorticoide, wie Prednisolon, zur Verfügung. Die Nebenwirkungen dieser Wirkstoffgruppe sind bei kurzfristiger Anwendung gering.

Es liegt im Ermessen Ihres Arztes und an Ihrer persönlichen Krankheitsgeschichte, welches der größtenteils verschreibungspflichtigen Medikamente er Ihnen verordnet.

 

Behandlung der erhöhten Harnstoffwerte als Dauertherapie
Ziel einer Dauertherapie bei Gicht ist es, die Harnsäurewerte im Blut dauerhaft zu senken, um so weitere akute Gichtanfälle und eine Chronifizierung mit Spätfolgen zu vermeiden.

Hierfür stehen zwei verschreibungspflichtige Wirkstoffe zur Verfügung:

  • Allopurinol: Dieser Wirkstoff hemmt das Enzym Xanthinoxidase, das für den Abbau von Purin zu Harnsäure verantwortlich ist. Dadurch wird im Körper weniger Harnsäure gebildet, es werden vermehrt Harnsäurevorstufen über die Niere ausgeschieden und so der Harnsäurespiegel im Blut erniedrigt.
  • Benzbromaron: Dieser Wirkstoff erhöht die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren. Da es hierbei v.a. zu Beginn der Therapie zur Ausfällung von Harnsäuresteinen in den Nieren kommen kann, muss unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

Die Auswahl der Arzneimitteltherapie, die Dosierung und Dauer liegt im Ermessen Ihres Arztes, der Ihre individuelle Krankheitsgeschichte und Blutwerte kennt. Eine Gichttherapie ist in der Regel eine Langzeittherapie.

 

Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl bei erhöhten Harnsäurewerten / Gicht

Beispiele für purinfreie bzw. sehr purinarme Lebensmittel

Verzehrempfehlung

Lebensmittel

Harnsäuregehalt

keine Einschränkung

Milch- und Milchprodukte, Käse, Eier, Obst
Gemüse: Aubergine, Blattsalate, Blaukraut (Rotkohl), Chicoree, Chinakohl, Tomaten, Radieschen, Rettich,  Fenchel, Karotten, Kohlrabi, Gurke, Weißkohl, Sauerkraut, Zwiebel, Zucchini, Kartoffel
Reis, Teigwaren, Getreideprodukte

< 50 mg / 100 g bzw. pro Portion

Beispiele für Lebensmittel mit mittlerem Puringehalt
VerzehrempfehlungLebensmittelHarnsäuregehalt

selten, max. 1 x pro Tag

Obst: Banane, Trockenfrüchte
Gemüse: Spinat, Rotkohl, Wirsing, Paprika, Bohnen, Blumenkohl, Broccoli, Lauch, Mais, Champignons, Rosenkohl, Schwarzwurzel
Fisch: Scholle, Kabeljau, Rotbarsch
Fleisch: Wild, Geflügel ohne Haut, Lamm, Schwein, Kalb, Aufschnitt, Wurst

50-150 mg / 100 g bzw. pro Portion

Beispiele für Lebensmittel mit hohem Puringehalt
VerzehrempfehlungLebensmittelHarnsäuregehalt

meiden 

Fleisch: Geflügel mit Haut, Innereien, Fleischbrühe, Bratensoße
Fisch: Hering, Ölsardinen, Lachs, Mak-rele, Sprotten, Anchovis (Sardellen), Krustentiere
Hülsenfrüchte: grüne Erbsen, Kicher-erbsen, Sojabohnen, Linsen
Hefeprodukte

> 150 mg / 100 g bzw. pro Portion

Nützliche Adressen*

Institut für Ernährungsinformation
Klinik Hohenfreudenstadt
Tripsenweg 17
72250 Freudenstadt
E-Mail: info@ernaehrung.de
www.ernaehrung.de/tipps/gicht


Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE)
Postfach 930201
Godesberger Allee 18
53175 Bonn
Telefon: 0228-3776600
Fax: 0228-3776800
www.dge.de

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PDF Gicht (331.81 kb | 12.07.2010)